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Stadt Geiselhöring, Kreis Straubing-Bogen

Geschichte

Zwar ist das Gebiet von Hainsbach-Gingkofen-Wissing schon seit der Jungsteinzeit, seit rund 7500 Jahren, besiedelt (s. Ortsgeschichte Hainsbach,Vorgeschichte), das Dorf Gingkofen selbst aber zählt als -kofen(-hofen)-Ort zu den Ausbauorten, die erst nach den -ing- Orten von den bereits seßhaft gewordenen Bajuwaren neu gegründet wurden.

Sehr früh, bereits zwischen ca. 826/830, ist Gingkofen erstmals urkundlich bezeugt: Abt Apollonius vom Kloster Berg übergab seinen persönlichen Besitz in „Ginginchuova“ (Gingkofen) an den Diakon Erchanfried und erhielt dafür dessen Höfe in Schambach. Diesem Tauschgeschäft stimmte der damalige König Ludwig der Fromme zu. Der in der Urkunde genannte Diakon Erchanfried wurde im Jahre 847 Bischof von Regensburg. Als Bischof von Regensburg war er damals zugleich Abt des Klosters St. Emmeram. Diesem Kloster schenkte er wohl seinen um 826/830 eingetauschten Besitz in Gingkofen. Rund 200 Jahre später erfahren wir aus dem Rotulus, einem Besitzverzeichnis des Klosters St. Emmeram in Regensburg vom Jahre 1031, daß St. Emmeram um diese Zeit in Gingkofen 4 1/2 Huben besaß: „In Ginginchouva IV 1/2 hubas.“

Ministerialen in Gingkofen

Wie in Hainsbach, so gab es zunächst auch in Gingkofen einen Ministerialen (Dienstmann, Beamter, Ritter) des Klosters St. Emmeram, der die Interessen des Klosters in Gingkofen vertrat. Dies erfahren wir aus einer Urkunde, im Jahre 1191 aufgezeichnet, als Kaiser Heinrich VI., Sohn Kaiser Friedrich Barbarossas, regierte. Dieser Klosterministeriale Rupert von Gingkofen übergab vor seinem Tod für das Heil seiner Seele 2 Leibeigene an das Kloster St. Emmeram. Die beiden Leibeigenen Rutpert und Ita hatten jährlich 5 Pfennig an das Kloster zu zahlen, waren aber sonst frei (Wiedemann, Nr. 996). Ein weiterer Gingkofener Ministeriale ist 1224 bezeugt, nämlich Konrad von Gingkofen. Er
war unter anderem Beisitzer und Mitsiegler auf einem Landtag, den Herzog Ludwig der Kelheimer in der von ihm im Jahre 1218 neu gegründeten Stadt Straubing abhielt.

 Der St. Emmeramer Amthof in Gingkofen

Dem Kloster St. Emmeram in Regensburg gehörten sicher seit dem 13. Jahrhundert alle Höfe in Gingkofen mit Ausnahme des Schlöglgutes (jetzt Georg Greschl) und des Kellergutes (jetzt Xaver Bogner). Besaß ein Kloster aber mehrere Höfe in einem Dorf, so pflegte es meist den größten unter diesen zum Amthof oder Ammerhof zu machen. So war es auch in Gingkofen. Da wo heute die Hofstelle von Rita Gerl (Hs.Nr. 5) steht, befand sich einst der stattliche, etwa 300 Tagwerk große St. Emmeramer Ammerhof. Er wurdeum 1845 in vier Anwesen zertrümmert.

 Die St. Emmeramer Ammerhofbauern in Gingkofen

Der Bewirtschafter des Ammer- oder Amthofes war der Amann oder Ammerhofbauer. Er nahm das ganze Mittelalter hindurch bis ins 19. Jahrhundert eine Sonderstellung innerhalb der Dorfgemeinschaft ein. Er hatte die Interessen des Klosters im Dorf zu vertreten.Seine wichtigsten Aufgaben waren: Er mußte die Abgaben der klostereigenen Bauern seines Amtsbezirks einsammeln. Wenn der Abt oder sein Stellvertreter alljährlich mit Begleitern vor der Ernte zur Kornschau ins Dorf kam, so mußte der Amann sie bewirten und womöglich ein Nachtquartiert für sie bereiten. An Schrannen- und Gerichtstagen hatte der Amann als Beisitzer oder Taidinger zu fungieren. Dem Amann oblag die Kontrolle über die Allmende. Auf dem Ammerhof mußte das Gailvieh (Stier, Eber, Widder, Hengst) für die übrigen klostereigenen Bauern des Dorfes gehalten werden. Für seine Dienste erhielt der Amann Abgaben von Höfen und Anwesen des Dorfes.
Im Jahre 1294 ist erstmals ein officialis, ein Amann oder Ammerhofbauer, des Klosters St. Emmeram in Gingkofen bezeugt. Sein Name war Ortholf. Im Jahre 1297 erhielten der Amann Ortholf und seine beiden Söhne Kunrad und Friedrich den Auftrag, den Wald Aiglrain bei Gingkofen zu roden und im 1. Jahr 40 Pfennig, im zweiten 80 Pfennig und dann 1/2 Pfund Pfennig zur Kellerei des Klosters St. Emmeram zu zahlen (Zierngibl, S.161).

Von 1345 – 1366 war Marquard der Ärtelhofer Amann auf dem St. Emmeramer Ammerhof in Gingkofen. Von ihm ist überliefert, daß er für sein und seiner Vorfahren Seelenheil eine Wiese an der Laber an das Kloster Mallersdorf stiftete. Außerdem erscheint er bei
einem Kaufvertrag als Zeuge.
1369 war Heinrich der Huber Ammerhofbauer auf dem St. Emmeramer Amthof in Gingkofen. Ihm folgte Friedrich der Huber. Dieser verkaufte im Jahre 1390 das Erbrecht auf die Kolbachmühle an der Laber, das bisher zum Amthof Gingkofen gehört hatte, um 40 Pfund Pfennig. Der Pächter der Mühle durfte jährlich 2 Fuhren Holz aus den Waldungen des St. Emmeramer Amthofes in Gingkofen wegfahren.

Von 1397 – 1514 ist das Geschlecht der Armansperger auf dem St. Emmeramer Amthof in Gingkofen nachgewiesen.
Im Jahre 1397 wurde Pernhart Armansperger der Amthof übertragen. Doch die Tannberger zu Münster beanspruchten für sich das Vogteirecht, das sie angeblich in Gingkofen, Haindlingberg und auf die Kohlbachmühle hatten. Die Tannberger griffen sogar zur Selbstjustiz und überfielen bewaffnet Gingkofen. Dem St. Emmeramer Amthof wurde dabei großer Schaden zugefügt. Im Jahre 1411 wurden durch Gerichtsentscheid die Ansprüche der Tannberger zurückgewiesen. Ihnen zahlte der Abt von St. Emmeram 90 ungarische Gulden. Von Pernhart Armannsberger aber ist überliefert, daß er in Gingkofen ein Bad und eine Weinstube einrichtete. Außerdem ist er in Kaufs-,Verkaufs- und Lehensverträgen bezeugt.
Auf Pernhart Armansperger folgten 1441 seine Söhne Martin und Dionys Armansperger, 1479 die Brüder Gilg und Wolfgang Armansperger und 1506 Michael und Jakob Armansperger (Söhne des Gilg Armansperger). Letztere versuchten, sich vom Kloster St. Emmeram
unabhängig zu machen. Die „Fehdestifter“ wurden jedoch vom Kloster aller Stücke und Güter in Gingkofen für verlustig erklärt. Ab jetzt folgten nichtadelige Erbrechter auf dem St. Emmeramer Amthof in Gingkofen.
Von 1531 bis 1626 waren Hans, Wolfgang, Gabriel und Andre Setz St. Emmeramer Ammerhofbauern in Gingkofen.
Von 1663 bis 1750 bewirtschafteten dann Rä(t)schmeier den Ammerhof und von 1750 bis1821 Krieger. Das waren Verwandte der Rätschmeier.
Im Jahre 1802 verlor nach der Aufhebung des Klosters St. Emmeram in Regensburg der stattliche, rund 300 Tagwerk große Gingkofener Ammerhof seine Funktion als Ammerhof.
Um 1845 wurde er zertrümmert. Es entstanden 4 Anwesen mit den jetzigen Hs.Nrn. 3, 4, 8 und Kleinwissing. 

 Der Besitz des Klosters Niedermünster in Gingkofen

Das Salbuch (Grundbuch oder Besitzverzeichnis) des hochadeligen Frauenklosters Niedermünster in Regensburg vom Jahre 1444 bezeugt den Besitz von zwei großen Höfen in Gingkofen: das Schlöglgut (jetzt Georg Greschl) und das Kellergut (jetzt Xaver Bogner). Das Kellergut war der Amt- oder Ammerhof des Klosters Niedermünster in Gingkofen. Der Kellerhofbauer hatte als Amann von Niedermünster ähnliche Pflichten wie der St.Emmeramer Amann. Im einzelnen ist überliefert, daß er für Speis und Trank (auch Wein) und Nachtquartier bei der Kornschau vor der Ernte zu sorgen hatte. Waren mehr als 12 Personen zu Pferd zur Kornschau gekommen, so übernahm das Kloster die zusätzlichen Kosten. Auch bei der „Sweinkür“ in der Zeit zwischen Dreikönig und Mariae Lichtmeß hatte der Niedermünsterer Ammerhofbauer für die Gäste aus Regensburg gute Verpflegung mit Schweinefleisch und die „Nachtseld“ (Nachtherberge) vorzubereiten.
Gerichtsfälle der beiden Niedermünsterer Klosterhöfe in Gingkofen wurden auf der Gerichtsschranne im St. Emmeramer Amthof zu Weichs behandelt.
Im Jahre 1568 verkaufte das Kloster Niedermünster seine beiden großen Höfe, das Kellergut und das Schlöglgut in Gingkofen, an das Kloster St. Emmeram, um eine Schuld von 700 fl zu tilgen.

 Gingkofen von 1568 – 1802 geschlossene Hofmark

Ab 1568 gehörten alle Höfe und Anwesen in Gingkofen dem Kloster St. Emmeram in Regensburg. Gingkofen war zu einer geschlossenen Hofmark von St. Emmeram geworden. Damit erhielt das Kloster alle grund- und gerichtsherrlichen Abgaben der Gingkofener. So blieb es bis zur Säkularisation, der Klosteraufhebung im Jahre 1802/1803, wo auch das altehrwürdige und renommierte Reichskloster St. Emmeram aufgehoben wurde.

 Die Ehehaftordnung von Hainsbach und Gingkofen

Das Wort „Ehe“ bedeutet Gesetz, Recht.
Eine Eh(e)haftordnung war eine festgeschriebene Ordnung, die ein möglichst reibungsloses Zusammenleben in einem Gemeinwesen garantieren sollte. Von der Hofmark Hainsbach ist eine Ehehaftordnung erhalten, die wohl um 1700 aufgezeichnet wurde, die aber sicherlich in vielen Punkten schon jahrhundertelang vorher Geltung hatte. Sie enthält Vorschriften über die religiösen Pflichten und das sittliche Verhalten der Untertanen und das Verhalten Fremden gegenüber, außerdem Vorschriften zur Sicherheit im Dorf, Anweisungen betreffs der Feldflur, der Jagd u.a. Alljährlich wurde die Ehehaftordnung bei der Dorfversammlung, auch Eh(e)haft genannt, den Hofmarksuntertanen vom Hofmarksrichter oder Probstrichter vorgelesen und ihre strenge Beachtung befohlen. 

Sollen alle Untertanen, Mann- und Weibspersonen, schuldig sein, an Sonn-, Feiertagenund hohen Festtagen dem heiligen Gottesdienst und der Predigt von Anfang bis zum Ende, wenn keine besondere Verhinderung vorliegt, fleißig, mit Andacht und Verrichtungdes Gebets, eifrig beizuwohnen und an Opfertagen fleißig zu opfern. Die Untertanen sollen an den Kreuzgängen ehrbar und züchtig teilnehmen, das Schwätzen unterlassen. Wenn am Morgen und Abend Gebet geläutet wird, sollen sie fleißig niederknienund beten. Das sollen sie auch ihren Kindern und Ehehalten schaffen (befehlen) und vor und nach dem Essen vor dem Tisch, Gott für die empfangenen Wohltatendanken.

Die Eltern sollen ihre Kinder und die Hausväter die Ehehalten fleißig in die Kirche zum heiligen Gottesdienst und zur Kinderlehre schicken und mit Ernst anhalten. Sie sollen sie von allen Untugenden und bösen Lastern, von Trunkenheit, Leichtfertigkeiten, anderem ärgerlichen Leben, schwerem Gotteslästern und nächtlichem Auslaufen abhalten, sie zu ehrbarem, züchtigem Leben und gutem Wandel anhalten und selber mit Gebet, anderen göttlichen Werken und in allen guten Tugenden Vorbild sein. Sie sollen ihre Kinder an die Arbeit gewöhnen, ihnen das Beten fleißig lernen, an ihnen nichts Ungebührliches übersehen, ihnen Fehler beizeiten abgewöhnen und nötigenfalls sie bestrafen. 

Sie sollen auch ihrer geistlichen und weltlichen Obrigkeit gebührenden Gehorsam und Respekt erweisen und schuldig sein, alle Gebote und Verbote zu halten.

Sie sollen mit jedem nachbarlich, friedlich, einig und bescheiden im Reden sein,jeder dem anderen guten Willen erweisen, niemandem etwas Unrechtes und Unverantwortliches zufügen und über niemanden Schmach und Schande bringen. 

Sie sollen auch in ihren Häusern das Spielen nicht gedulden, noch viel weniger Gunkelhäuser halten. (Gunkelhäuser deutet der Hainsbacher Pfarrer Holzgartner als eine Art Dirnenhäuser. Nach dem Sprichtwort: „Da gehts zu wie in einem Gunkelhaus“.Schmeller dagegen deutet Gunkel in seinem Bayerischen Wörterbuch als eine Spinnstube, eine Zusammenkunft der Mädchen und Weiber an den langen Winterabenden, um gemeinschaftlich zu spinnen und zu plaudern. Diese traulichen Dorfkränzchen,aus denen männliche Personen nicht immer ausgeschlossen waren, findet man inälteren Landesordnungen vergebens verboten, stellt Schmeller fest).

Sie sollen ohne Wissen der Obrigkeit keine Inwohner (Mieter) oder Meier aufnehmen,worauf eine hohe Strafe steht, noch fremde, unbekannte Leute, starke Bettler, gartende (Herberge und Nahrung bettelnde) Soldaten und dergleichen heillosesGesindel über Nacht halten und ihnen Unterschlupf gewähren.

Sie sollen auf das Feuer fleißig Obacht geben, den Rauchfang oft säubern und, wenn derselbe baufällig ist, sofort in Ordnung bringen. Sie sollen nächtlicherweil nicht mit dem Spanlicht in die Ställe gehen, auch nicht über die Gassen. In den Stubenöfen sollen sie weder Obst,Werch noch anderes dörren, auch nicht die Späne auf die Platten legen, keine Scheiter oder anderes Holz liegen lassen, sie sollen in den Häusern keineswegs absedeln (absechteln), worauf hohe Strafe steht. Das Dreschen bei Licht während der Nacht ist gänzlich verboten.

Der Hofmarkswirt darf kein Getränk unbesehen ausgeben und keine verdächtigen unbekannten Leute über Nacht behalten, was strafbar ist. Der Wirt darf weder Bauern, Tagwerkern, Söldnern noch Ehehalten – außer Landreisigen und bei Hochzeiten– nach 8 Uhr abends irgendetwas vorsetzen noch Köpflbier reichen, vor allem nicht mehr das Spielen über die genannte Zeit gestatten, sondern das in Güte verweigern und sich auf das Verbot der Obrigkeit berufen. „Zum fall deme nit nachgelebt: sollte der ybertretter neben dem Wirth gestraft werden“.

Die Untertanen sollen alles, was einen Pfennig wert ist und was sie verkaufen wollen, vorher der Obrigkeit anbieten. Wer das nicht tut, wird bestraft, „darauf der Ambtman sein vleißige Spech (Specht, Augenmerk) halten wird“.

Sollen die Wege, Stege, Straßen, Hecken und Zäune zur rechten Zeit gemacht und unterhalten werden. Die Falltore sollen vor den angebauten Feldern angehängt und die Gräben, so oft es notwendig ist, bei Strafe geräumt werden.

Keiner soll dem anderen hineinackern, hineinmähen und in dessen Grund hineinzäunen.Keiner soll den Rain schmälern noch die March (Grenzstein) versetzen, worauf hohe Strafe steht.

Es sollten keine neuen Fahr- und Gehwege aufgebracht (angelegt) werden, sondern man sollte auf den von alters her gebräuchlichen und hergekommenen Fahrwegen Tunget (Mist) ausfahren und Getreide und Heu heimfahren. Niemand darf über einenangebauten Acker eines anderen fahren, gehen noch reiten oder in anderer Weise beschweren (schädigen), worauf hohe Strafe steht.

Keiner sollte bei Strafe mehr Vieh austreiben und weiden, als er mit eigener Fütterung über den Winter bringen kann.

Die Schweine sollten dem Hüter (Dorfhirte) aus dem Stall herausgetrieben werdenund am Mittag und nachts fleißig in den Stall gebracht werden. Wenn das nicht geschähe, sollten sie vom Amtmann gepfändet werden. Der, dem die Schweinegehören, sollte bestraft werden. Wenn einer junge Schweine das erste Mal zum Hüten austreibt, sollte dieser dem Hüter mit einer Person hüten helfen, bis sich die jungen Schweine zur Herde gewöhnt haben.

Die Gänse dürfen nicht mehr wie bisher im Dorf und auf den Feldern frei laufengelassen, sondern von einem Hüter fleißig gehütet werden. Keiner soll mehr Gänse halten, als nach der Landes- und Polizeiordnung erlaubt ist.

Niemand soll mit seinen Rossen und dem Kühvieh auf den Halmen weiden, bis dieFelder ganz leer sind und der Zehent darauf eingebracht worden ist, worauf hohe Strafe steht. Niemand sollte auf den Feldern, besonders zur Mittagszeit, ehern, bisder Acker von den Feldfrüchten leer ist.

Niemand, weder klein noch groß, darf sich unterstehen, auf einem angebauten Ackerzu grasen, noch das Gras von einer Anwand oder einem Rain zu schneiden, worauf Strafe steht.

Keiner soll seine Kinder außer Land in lutherische Orte schicken noch das gedulden,worauf hohe Strafe steht.

Die Untertanen sind verpflichtet, von ihren angebauten Früchten, von Getreide, Flachs, Kraut und was zum Kleinzehent gehört, den Zehent fleißig ohne Betrug und Vorteil jährlich seinem Zehentherrn zu reichen und nichts zu unterschlagen. Wer zuwiderhandelt, sollte eine empfindliche Strafe erhalten. 

Diejenigen, die Flachs oder Hanf zum Dörren in die Backöfen legen und dann brechen wollen, sollen die Öfen am Tag heizen und dann das Brechen verrichten. Dabei sollen sie fleißig nachsehen, daß kein Feuer, wie oftmals schon geschehen, auskommt (ausbricht). 

Wer von alters her den Stier, Bärn (Eber) und Widder einer Gemeinde halten muß, der soll das ohne Verweigerung tun. Bei Ungehorsam wird er bestraft. 

Man soll nicht eher das Vieh und die Pferde in die Wiesen treiben, bis das Schloßvieh dorthin getrieben wird. 

Wenn Untertanen oder ihre Kinder heiraten, soll durch die Obrigkeit zur Verhütung künftiger Streitigkeiten ein Heiratsbrief erstellt werden. 

Verboten ist aller Verkauf von Getreide, Vieh, Schmalz und anderen Gütern vermög der Landes- und Polizeiordnung, worauf hohe Strafe steht. 

Keiner darf das Weidwerk ausüben und Hasen, Vögel, Füchse und anderes fangen, worauf hohe Strafen stehen. 

Der Müller soll den Graben, wie seit alters geschehen, jährlich zweimal, nämlich an Georgi und an Michaeli, räumen. 

Der Schulmeister zu Haindling und der Mesner von Hainsbach sollen das heilige Ave Maria zu Sommerszeiten von Georgi bis Michaeli um 4 Uhr, zu Winterszeiten von Michaeli bis Georgi aber um 5 Uhr in der Früh läuten. Ein bevorstehendes Gewitter sollen sie zur rechten Zeit anläuten. 

Neue Holzschläge sollten drei Jahre lang geheyet und verschont werden. Auf Zuwiderhandeln steht hohe Strafe.

 Das Ende der Hofmarksherrschaft Hainsbach – Haindling – Gingkofen

Radikale Veränderungen brachte der Beginn des 19. Jahrhunderts. Durch die Säkularisation von 1802/1803 wurden die Klöster in Bayern aufgehoben und damit auch das altehrwürdigeund renommierte Reichskloster St. Emmeram in Regensburg. Das gesamte Vermögen
der bayerischen Klöster fiel entschädigungslos an den Staat mit Ausnahme der Klöster in der freien Reichsstadt Regensburg St. Emmeram, Ober- und Niedermünster und mit Ausnahme der Reichsstifte Regensburg und Aschaffenburg. Diese Klöster und Reichsstifte erhielt bis 1810 der Reichserzkanzler und Erzbischof Karl Theodor v. Dalberg für seine an Frankreich verlorenen Gebiete. Von dieser Ausnahme waren Hainsbach – Gingkofen – Haindling als ehemalige Untertanen des Reichsstifts St. Emmeram unmittelbarbetroffen. Am 13. Dezember 1802 teilte der Hainsbacher Probstrichter MichaelHögl den Untertanen mit, daß sie vom Fürstabt von St. Emmeram ihrer uralten Pflichten entbunden und von nun an Untertanen des Churerzkanzlers Dalberg seien. An Dalberg hatten die ehemaligen Hofmarksuntertanen nun ihre Abgaben in unveränderter Höhe zu entrichten. Ab 1810 fielen dann die dem Churerzkanzler von Dalberg zugesprochenen Gebiete (auch Hainsbach, Gingkofen, Haindling) ebenfalls an den bayerischen Staat.

 Hainsbach wird Gemeinde

Als unterste Verwaltungsbehörde wurde ab dem Jahre 1808 die Gemeinde Hainsbach mit einem Gemeindevorsteher (mit nur geringen Befugnissen) an der Spitze geschaffen. Zu ihr gehörten außer Hainsbach noch Gingkofen, Haidersberg, Haindling und die Einöden Biburg, Oberndorf, Siffelbrunn und Wissing. Im Jahre 1820 kam noch Brunnwinkel zur Gemeinde Hainsbach, während Haindling und Oberndorf ausgemeindet wurden.
Die Aufgaben, die früher der Hofmarksherr, im Falle von Hainsbach und Gingkofen der Pfleger bzw. Probstrichter erfüllte, nämlich die niedere Gerichtsbarkeit, Polizeigewalt, notarielle Beurkundungen, Einnahme der Abgaben und Steuern usw. übernahm seit 1812 das Patrimonialgericht Laberweinting mit Sitz in Sallach. Besitzer dieses Patrimonialgerichts war seit 1812 Minister Graf von Montgelas, von 1834 bis 1848 Fürst von Thurn und Taxis. Im Jahre 1848 wurden die Patrimonialgerichte aufgelöst. Ihre Aufgaben übernahmen die Landgerichte. Die Gemeinde Hainsbach gehörte zum Rentamt Pfaffenberg, dann zum Landgericht Mallersdorf.

  Die Bauern werden frei – Höfe werden zertrümmert

Ab der Säkularisation bot der Staat den Bauern die Möglichkeit, sich von der Grundherrschaft freizukaufen. Die Bauern machten unterschiedlich von dieser Möglichkeit Gebrauch.
Im Revolutionsjahr von 1848 schließlich wurde die Grundherrschaft in Bayern allgemein aufgehoben. Damit wurden jetzt alle Bauern freie Besitzer der Höfe, die sie bewirtschafteten. Diese Maßnahmen boten Chancen, aber auch Gefahren. Vielen Höfen gereichte das freie Verfügungsrecht der Bauern über ihren Besitz zum Schaden, ja es führte sogar zu ihrem Ruin. Durch widrige Umstände, Unglück, mangelnde Tüchtigkeit und Sparsamkeit mancher Bauern, fehlende Absicherung durch den früheren Grundherrn kamen viele Höfe in der Folgezeit auf die Gant und wurden zertrümmert, wie aus der Hofgeschichte von
Hainsbach-Gingkofen zu ersehen ist. Manche Höfe verschwanden vollends aus dem Ortsbild, auch das Hainsbacher Hofmarksgut wurde zertrümmert und das Schloß 1814 abgebrochen. Weiterhin wurden in Hainsbach zertrümmert: das Bruckmeiergut (früher Hs.Nr. 6), der Göggingshof (früher Hs.Nr. 7), die frühere Hs.Nr. 10 – der untere Hofbau (früher Hs.Nr. 13), das Wirtshaus (früher Hs.Nr. 14), der Hof beim Brunnen (früher Hs.Nr. 18), außerdem die Höfe mit den früheren Hs.Nrn. 22 und 25.

Ähnlich war die Situation in Gingkofen. Von den großen Höfen blieb nur das Schlöglgut (jetzt Greschl) in seiner vollen Größe erhalten. Anstelle des ehemaligen St. Emmeramer Ammerhofes (früher Hs.Nr. 38) entstanden im Jahre 1848 vier neue Anwesen mit den früheren Hs.Nrn. 38, 38 1/2, 54 und Kleinwissing. Vom Kellerhof (jetzt Familie Bogner) wurde bereits im Jahre 1804 ein Teil der Felder verkauft. Zertrümmert wurden in Gingkofen weiterhin der Eichhof- oder Schwäblhof (früher Hs.Nr. 3) und die Anwesen mit den früheren Hs.Nrn. 40, 42 und 45.
Während vordem jahrhundertelang die Höfe in ihrer Größe in der Regel immer unverändert blieben, kam es im 19. Jahrhundert zu enormen Hofgrößenveränderungen. Große Höfe wurden zertrümmert, kleine kauften Felder dazu oder es entstanden neue Anwesen. Außerdem ist ein sehr großer Besitzerwechsel auf den Höfen festzustellen.